Hondas erstes serienmäßige Elektroauto soll stylish sein und bietet mehr Monitorfläche als Dr. Seltsams Kommandozentrale. Mini SE und Fiat 500 e sind die natürlichen Gegner des Honda-e. Was der Kleinwagen mit kleinem Akku sonst so zu bieten hat, steht im Test.
Pro
- Kompakte Abmessungen
- Agiles Fahrverhalten
- Modernes Infotainment
- Flotte Beschleunigung
- Künftiger Klassiker
Kontra
- Geringe Reichweite
- Keine Wärmepumpe
- Geringe Ladeleistung
- Hoher Anschaffungspreis
Wenig Umgewöhnung erfordern die gut platzierten virtuellen Außenspiegel. Der Fahrer muss die Blickrichtung kaum anpassen und freut sich über den großen Bildwinkel sowie das scharfe, helle Bild nachts oder bei Dämmerung. Eine eingeblendete Hilfslinie deutet beim Spurwechsel an, ob der Abstand zum Hintermann ausreichend groß ausfällt.
Kleines Auto, großer Spaß
So rollt der Honda-e denkbar unkompliziert durch die Stadt. Mit nur 3,90 Metern Länge und einer Breite von 1,75 Metern inklusive Außenspiegelkameras, wuselt er spritzig durch enge Gassen und findet schnell eine Parklücke, in die man ihn problemlos einparkt. Der kleine Wendekreis von nur 8,6 Metern ermöglicht in vielen Fällen die Kehrtwende in einem Zug.
Beim Ampelstart flitzt der Honda-e mit 113 kW (154 PS) Leistung und 315 Newtonmetern Drehmoment elektroautotypisch spontan los. Dank Hinterradantrieb, zerrt die Kraft nicht an den Vorderädern. Die Lenkung windet sich nicht, steuert direkt und gefühlvoll. Der tiefe Schwerpunkt tut ein Übriges: Der Honda-e macht richtig Spaß auf der Landstraße.
Kleiner Akku, hoher Verbrauch
Weil Honda den Honda-e als Zweitwagen für Spaß und Stadtverkehr platziert, passen allerdings nur 35,5 kWh Energie in den Akku. Die Reichweite liegt je nach Radgröße bei 210 bis 222 Kilometern laut Norm. Wir schaffen es bei niedrigen Temperaturen jedoch kaum, den Verbrauch unter 20 kWh/100 km zu drücken. Bei fast vollem Akku zeigt der Bordcomputer eine Reichweite von 160 Kilometern an. Bis man die Heizung einschaltet. Honda verbaut keine energiesparende Wärmepumpe. Geheizt wird mit Strom aus dem Akku. Das kann die Reichweite locker um 20 Prozent verkürzen.
Verlängernd wirkt in der Stadt das sogenannte „One-Pedal-Driving“, das sich per Taste aktivieren lässt. Jetzt kann man den Honda-e ausschließlich mit dem Fahrpedal bewegen. Er verzögert, sobald man das Pedal freigibt und speist Energie zurück in den Akku. Das funktioniert bei vorausschauender Fahrt bis zum Stillstand. Viel Extra-Reichweite bringt es jedoch nicht.
Gebremste Ladeleistung
Auf 80 Prozent gefüllt ist der kleine Akku im Optimalfall innerhalb von 31 Minuten. Mit bis zu 50 kW lädt er an Gleichstrom (DC). Kurzzeitig verträgt er 100 kW, doch das nur in optimalen Ladebereichen, so ergibt sich an einer 100-kW-Säule kein nennenswerter Vorteil.
Mehr Leistung wünschen wir uns an Wechselstrom (AC). An einer öffentlichen Säule mit bis zu 11 kW sickert der Saft nur mit rund 3,6 kW in den Akku, die volle Ladung würde knapp 10 Stunden dauern. Der Grund: Honda spendiert nur einen einphasigen Onboard-Lader. Um die maximale Ladeleistung von 6,6 kW auszureizen, braucht er 32 Ampere Stromstärke. Die meisten öffentlichen AC-Säulen kommen lediglich auf 16 Ampere, also bleiben 3,6 kW.
Assistenten und Preise wie ein Großer
Kaum gespart hat Honda an der Sicherheitsausrüstung. Der elektrische Kleinwagen bremst im Notfall selbständig und auch beim Rangieren. Wer an der Ampel pennt, wird benachrichtigt, wenn der Vordermann anfährt. Der Honda-e erkennt Verkehrsschilder und schaltet das Fernlicht automatisch ein und aus. Dazu hält das Auto die Spur, per intelligentem Tempomat den Abstand zum Vordermann und passt sich an erkannte Tempolimits an. All das sogar serienmäßig.
Allerdings nicht umsonst: Mindestens 33.850 Euro kostet der Honda-e in der Basisversion mit 100 kW (136 PS). Unser Testwagen mit Advance-Paket und 113 kW (154 PS) liegt bei 38.000 Euro. Dafür ist er komplett ausgestattet. Und abzüglich des Elektrobonus in Höhe von 9.000 Euro landet er unter der psychologisch wichtigen Grenze von 30.000 Euro.
Der Honda e macht keinen Hehl daraus, dass er eher als Zweitwagen für die Stadt gebaut wurde. Wenig Reichweite, überschaubare Platzverhältnisse (171 bis 861 Liter Kofferraumvolumen), schickes Retro-Design und agiles Fahrverhalten positionieren ihn klar gegen den elektrischen Mini SE. Also als Lifestyle-Mobil mit begrenztem Einsatzbereich. Schade: Bei der Pflicht für Elektroautos (Reichweite und Ladeleistung) schwächelt der Honda e.
Reichweite
Stromzähler
Ladezeit bei 3,7 kW
Ladezeit bei 50 kW
Technische Daten – Honda-e
| Modell | Honda e Advanced Paket |
| Motor/Antrieb | Elektromotor/Hinterachse |
| Leistung | 113 kW (154 PS) |
| Drehmoment | 315 Nm |
| Geschwindigkeit | 145 km/h |
| 0-100 km/h | 8,3 s |
| Verbrauch | 17,2 kWh |
| Akkukapazität | 35,5 kWh |
| Reichweite | 222 km (WLTP) |
| Ladeleistung | bis 6,6 kW (AC), bis 56 kW (DC) |
Honda e
Virtuelle Außenspiegel sind seit 2014 in der Automobilbranche im Einsatz. Beim Honda e sind diese gut platziert und erfordern keine Umgewöhnung
Honda e
Der Honda e misst 3,89 Meter in der Länge,1,75 Meter in der Breite und 1,15 Meter in der Höhe
Honda e
Die Lithium-Batterie des Honda e speichert 35,5 kWh. Innerhalb von 31 Minuten ist der kleine Akku im Optimalfall auf 80 Prozent gefüllt
Honda e
Honda stattet das Cockpit des kleinen Elektrowagens mit fünf Bildschirmen aus. Zwei davon dienen als virtuelle Außenspiegel, einer als Instrumentenanzeige und die anderen als Infotainment